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TG Rotenburg verliert gegen Böddiger nach der Pause den Faden

Zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten erlebten die rund 200 Zuschauer zum Saisonauftakt in der Rotenburger Großsporthalle. Die TG Rotenburg zeigte am Sastag gegen den TSV Eintracht Böddiger zunächst eine starke Leistung und führte zur Pause mit 15:12. Nach dem Seitenwechsel verloren die Gastgeber jedoch völlig den Faden und mussten sich dem direkten Tabellennachbarn der vergangenen Saison am Ende mit 21:26 geschlagen geben.

Dabei hatte der neue TGR-Coach Tomislav Balic seine Team für den Auftakt klare Vorgaben mit auf den Weg gegeben. Nach Ballgewinnen sollte schnell umgeschaltet werden. Das funktionierte in der ersten Halbzeit bestens. Maurie Reyer traf zweimal bis zum 6:6 (12.) und war auch am anschließenden 4:0 Lauf der Rotenburger zum 10:6 (20.) beteiligt.

Auch die 5:1 Deckung der Turngemeinde arbeitete zunächst konzentriert und aggressiv. Die Mannschaft verschob gut, provozierte Ballverluste und kam dadurch immer wieder zu schnellen Gegenstößen. Im Angriff sorgte der TGR-Rückraum mit hohem Tempo und gelungenen Rochaden für Lücken in der Böddiger Abwehr. Die Folge: eine verdiente 15:12 Führung zur Halbzeit.

Nach dem Seitenwechsel war davon allerdings nicht mehr viel zu sehen. Innerhalb von nur zwei Minuten kassierte Rotenburg zwischen der 33. und 35. Minute drei Gegentore und musste den Anschluss zum 16:15 hinnehmen. Die Abwehr verlor zunehmend ihre Ordnung. Mehrfach kamen die Rückraumschützen des TSV zum Erfolg, weil die TGR-Deckung zu spät heraustrat. Besonders auf den Außenpositionen boten die Rotenburger dem Gegner zu viel Raum. Auch am Kreis fehlte es an der notwendigen Zuordnung. Böddiger nutzte die Freiräume konsequent und kam immer wieder zu einfachen Toren. In der 47. Minute gingen die Gäste beim 20:21 schließlich erstmals in Führung.

Insgesamt elf Ballverluste im Angriff erschwerten den Hausherren zusätzlich die Aufholjagd. Noch gravierender war allerdings die fehlende Durchschlagskraft: Ab der 44. Minute gelang der TGR kein einziger Treffer mehr aus dem Spiel heraus. Die Rotenburger agierten in dieser entscheidenden phase sowohl einmal in Überzahl als auch einmal in Unterzahl, konnten daraus aber keinen entscheidenden Vorteil ziehen. Erst in der 58. Minute sorgte Simon Kleinwächter mit einem verwandelten Siebenmeter für den Treffer zum 21.25. Ansonsten blieb die Turngemeinde offensiv ohne Erfolg und musste mit ansehen, wie Böddiger den Vorsprung über die Schlussphase hinweg sicher verwaltete. Damit wiederholte sich aus Rotenburger Sicht ein bekanntes Szenario: Wie bereits in der vergangenen Saison konnte Böddiger in der Großsporthalle gewinnen.

Rotenburgs Coach Tomislav Balic war nach dem Spielende entsprechend unzufrieden: "Meine Enttäuschung ist groß. Unsere Abwehr auf der linken und rechten Seite hat nicht funktioniert. Wir haben noch viel Arbeit vor uns."

Rotenburg: Wenderoth (10 Paraden), Olbricht (3 Paraden), Brandau - N. Fischer 2, Reyer 6, Liinhart, Balk 2, Bozoljac 1, Kesten, Putivtsev 1, Bonsack, Kleinwächter 4/3, Günther 4/1, Bussmann, Wingefeld, J. Fischer 1
Böddiger: Ilian (5 Paraden), Schmidt (2 Paraden) - Itze 2, Franke 2, Auth 7/2, Knaust 1, Wetzel 2, Franke, Clobes 1, Kosicke 2, Eckhardt 2, Wagner, Bürger 4, Weinmeister 2, Pfoch 1

15.09.2026 - Burghardt Hauptmann, HNA

Die TG Rotenburg empfängt zum Saisonauftakt den TSV Eintracht Böddiger – ein Duell zweier enger Rivalen aus der Vorsaison.

Hat sich viel vorgenommen: das Team der TG Rotenburg um Trainer Tomislav Balic (Mitte, Zweiter von links) bei ihrer Saisoneröffnung. © Martin Pippert

Gleich zum Saisonauftakt wartet auf die TG Rotenburg ein echter Gradmesser. Am Samstag um 17.30 Uhr empfängt der Tabellendritte der vergangenen Saison in der Rotenburger Großsporthalle den TSV Eintracht Böddiger, der die Spielzeit auf Rang vier beendete. Schon im Vorjahr waren die Duelle zwischen beiden Mannschaften heiß umkämpft: Böddiger gewann knapp in Rotenburg, die TGR schlug im Rückspiel deutlicher zurück. Nun beginnt für beide Teams eine neue Saison – mit einigen Veränderungen.

Bei der TG Rotenburg steht mit Tomislav Balic ein alter Bekannter an der Seitenlinie. Der Trainer möchte die Mannschaft weiterentwickeln und sie perspektivisch zurück in die Oberliga führen. Dabei setzt Balic auf eine Mischung aus erfahrenen Kräften und jungen Talenten. Die Routiniers Niklas und Julian Fischer, Lukas Günther und Dusan Bozoljac sollen dabei eine wichtige Rolle übernehmen: „Sie müssen ein Vorbild für die Jüngeren sein.“ Gleichzeitig sollen die ehemaligen Jugendspieler für frische Energie und Tempo sorgen. „Um Geschwindigkeit auf die Platte zu bringen, brauchen wir diese neue Kraft und Energie. Sie werden die Erfahrenen pushen, noch mehr Gas zu geben.“

Gerade das Potenzial des Nachwuchses hat Balic bei seiner Rückkehr nach Rotenburg gereizt. „Sie haben interessantes Potenzial und Talent. Ich habe Bock, die Jungs weiterzuentwickeln.“ Besonders Max Bussmann hat in der Vorbereitung auf sich aufmerksam gemacht. Auch Födor Putivtsev, Noah Kesten und Tom Balk sieht Balic auf einem guten Weg. Sie hätten „richtig Lust“, um einen Platz in der Mannschaft zu kämpfen.

Allerdings warnt der Trainer davor, von den Nachwuchskräften sofort Wunderdinge zu erwarten. „Viele Jungs schaffen den Übergang in den Seniorenbereich nicht gleich.“ Entscheidend sei, ihnen die notwendige Zeit zu geben. „Sie haben alle einen guten Charakter. Es ist unsere wertvolle Zukunft.“

Insgesamt 25 Spieler umfasst Balics Kader. Eine Verstärkung gibt es im Tor: Jan Olbricht wechselte von der HSG Waldhessen nach Rotenburg. Mit ihm bekommt die TGR zusätzliche Qualität zwischen den Pfosten. Dass er seinem Team einiges zutraut, macht Balic deutlich: „Wir haben eine richtig gute Mannschaft.“

Die Vorbereitung stimmt den Coach optimistisch. Seit Mitte Juli arbeitet Rotenburg intensiv an Kondition, Athletik und Taktik. „Ich bin sehr zufrieden, und das sage ich nicht so oft.“ Die Mannschaft habe hervorragend mitgezogen. Taktisch hat Balic verschiedene Deckungsvarianten einstudieren lassen, eine 6:0- und eine 5:1-Abwehr. Nach Ballgewinnen soll es möglichst schnell nach vorn gehen. Das schnelle Umschaltspiel gehört zu den großen Stärken, die Balic seiner Mannschaft zuschreibt. „Mein Anspruch ist es, jede Mannschaft in der Liga überrennen zu wollen.“ Tempo allein reicht allerdings nicht. Die Rotenburger sollen gleichzeitig konzentriert bleiben und technische Fehler vermeiden. Balic fordert, „mit Kopf“ zu spielen und eine „aggressive, dichte Deckung“ zu stellen.

10.09.2026 - Alicia Kreth, HNA

Der Handballer Tomislav Balic ist zurück bei der TG Rotenburg. Mit dem Bezirksoberligisten hat der Kroate nach seiner aktiven Zeit konkrete Pläne.

© Fischer, Andreas

In der Großsporthalle in Rotenburg weht ein neuer Wind: Tomislav „Tommy“ Balic ist zurück bei der TG Rotenburg – diesmal nicht als Spieler, sondern als Trainer des Handball-Bezirksoberligisten. „Endlich zu Hause“, sagt der 43-Jährige. Seit zwölf Jahren lebt der Kroate in Rotenburg – seiner „deutschen Heimat.“

2014 führte ihn der Handball gemeinsam mit seiner Frau Marija nach Deutschland. Sein Bruder Boze hatte bereits ab 2013 für die TG Rotenburg gespielt und ihn von einem Wechsel überzeugt. Balic brachte reichlich Erfahrung mit: In Kroatien spielte er unter anderem für RK Zagreb, mit dem er auch in der Champions League auflief, sowie für RK Siscia und RK Medvescak.

Zudem sammelte er Erfahrungen in Spanien und Slowenien und durchlief bis zur A-Jugend die kroatische Nationalmannschaft. „Ich habe mit der Generation eine Kabine geteilt, die 2003 Weltmeister wurde. Das ist eine besondere Erfahrung“, sagt Balic. Seine Karriere war vor allem von harter Abwehrarbeit geprägt. Genau diese Mentalität will er nun seinen Spielern vermitteln.

Balic führt Bettenhausen zum Klassenerhalt

Nach rund zehn Jahren bei der TG Rotenburg, in denen der damalige Abteilungsleiter Harald Grau eine wichtige Bezugsperson für Tomislav und seinen Bruder Boze war, und einem anschließenden Engagement beim VfL Wanfried sowie zuletzt beim VfB Bettenhausen ist Balic nun wieder in seine Wahlheimat zurückgekehrt. Die Fahrten nach Kassel wurden ihm zu zeitaufwendig.

In Bettenhausen sammelte der 43-Jährige in der vergangenen Saison zudem seine ersten Erfahrungen als Spielertrainer, da der eigentliche Coach Sebastian Hartung kurzfristig abgesprungen war. „Ich liebe es, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Balic. Wegen Knieproblemen und Rippenbrüchen wechselte er ab Mitte Oktober komplett auf die Trainerbank. Mit dem VfB schaffte er den Klassenerhalt in der Oberliga. „Heute bin ich dankbar dafür. Das Jahr hat mir eine wichtige Erfahrung gebracht.“

Kroate setzt auf Nachwuchs

Als Trainer ist Balic, der bei Hogastra in Rotenburg – einem Hersteller für professionelle Großkaffee- und Großheißwasserautomaten – arbeitet, anspruchsvoll. „Ganz oder gar nicht“, lautet sein Motto. Trainingsleistung, Regelmäßigkeit und Ehrlichkeit sind ihm wichtig. „Ohne Schweiß kein Preis.“ Von seinen Spielern erwartet der zweifache Familienvater dieselbe Einstellung. Sein Ziel: jeden Einzelnen besser zu machen.

Dabei setzt er besonders auf den Nachwuchs. Einige erfahrene Spieler wie Niklas Fischer, Maurice Reyer und Lukas Günther kennt Balic noch aus seiner eigenen Zeit auf dem Feld. Bei den Jugendlichen will er genau hinschauen. „Das ist unsere Zukunft und es ist wichtig, dass wir sie haben“, sagt der 43-Jährige. Die bisherige Vorbereitung mit der Bezirksoberliga-Mannschaft stimmt ihn optimistisch. „Auch wenn wir mal drei Stunden trainieren, sind die Jungs mit Fokus dabei. Das ist für mich sehr wichtig.“

Ziel ist die Oberliga

Unterstützt wird Balic von einem langjährigen Weggefährten: Simon Golkowski. Mit Golkowski, der eine Physiopraxis in Alheim mitbetreibt, ergänzt er sich nach eigener Einschätzung hervorragend. „Er kümmert sich mehr um das Körperliche, ich um die Taktik. Das passt super.“

Sportlich hat Balic klare Vorstellungen. Die Bezirksoberliga hält er eigentlich für „zu schwach“. Sein langfristiges Ziel ist deshalb die Oberliga. Druck will er der jungen Mannschaft aber nicht machen. „Wir müssen uns Schritt für Schritt verbessern. Dann kommt das Selbstvertrauen von selbst.“ Auf dem Feld soll seine Handschrift dennoch deutlich zu erkennen sein: eine aggressive, kompakte Abwehr und viel Einsatz. „Ich war selbst ein Kämpfer und erwarte diesen Kampf auch von meiner Mannschaft.“

Balic will die Fans zurück in die Halle holen

Und noch etwas liegt dem Rückkehrer am Herzen: die Zuschauer. „Ich habe hier zehn Jahre gespielt und eine besondere Verbindung zu den Zuschauern.“ Früher kamen rund 400 Fans zu den Spielen. Dort möchte Balic wieder hin. „Dafür musst du guten Handball präsentieren.“

Privat ist Rotenburg längst zur Heimat geworden. Sohn Lukas (11) spielt als Linkshänder ebenfalls bei der TG Rotenburg, der zweijährige Toni kann künftig häufiger bei den Spielen seines Vaters dabei sein. Nur eines vermisst Balic, der in Split geboren ist: „Mein Meer und meinen Strand, die mediterrane Seite.“ Ansonsten aber gilt für ihn: „Endlich zuhause.“

02.09.2026 - Alicia Kreth, HNA