Der Handballer Tomislav Balic ist zurück bei der TG Rotenburg. Mit dem Bezirksoberligisten hat der Kroate nach seiner aktiven Zeit konkrete Pläne.

© Fischer, Andreas
In der Großsporthalle in Rotenburg weht ein neuer Wind: Tomislav „Tommy“ Balic ist zurück bei der TG Rotenburg – diesmal nicht als Spieler, sondern als Trainer des Handball-Bezirksoberligisten. „Endlich zu Hause“, sagt der 43-Jährige. Seit zwölf Jahren lebt der Kroate in Rotenburg – seiner „deutschen Heimat.“
2014 führte ihn der Handball gemeinsam mit seiner Frau Marija nach Deutschland. Sein Bruder Boze hatte bereits ab 2013 für die TG Rotenburg gespielt und ihn von einem Wechsel überzeugt. Balic brachte reichlich Erfahrung mit: In Kroatien spielte er unter anderem für RK Zagreb, mit dem er auch in der Champions League auflief, sowie für RK Siscia und RK Medvescak.
Zudem sammelte er Erfahrungen in Spanien und Slowenien und durchlief bis zur A-Jugend die kroatische Nationalmannschaft. „Ich habe mit der Generation eine Kabine geteilt, die 2003 Weltmeister wurde. Das ist eine besondere Erfahrung“, sagt Balic. Seine Karriere war vor allem von harter Abwehrarbeit geprägt. Genau diese Mentalität will er nun seinen Spielern vermitteln.
Balic führt Bettenhausen zum Klassenerhalt
Nach rund zehn Jahren bei der TG Rotenburg, in denen der damalige Abteilungsleiter Harald Grau eine wichtige Bezugsperson für Tomislav und seinen Bruder Boze war, und einem anschließenden Engagement beim VfL Wanfried sowie zuletzt beim VfB Bettenhausen ist Balic nun wieder in seine Wahlheimat zurückgekehrt. Die Fahrten nach Kassel wurden ihm zu zeitaufwendig.
In Bettenhausen sammelte der 43-Jährige in der vergangenen Saison zudem seine ersten Erfahrungen als Spielertrainer, da der eigentliche Coach Sebastian Hartung kurzfristig abgesprungen war. „Ich liebe es, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Balic. Wegen Knieproblemen und Rippenbrüchen wechselte er ab Mitte Oktober komplett auf die Trainerbank. Mit dem VfB schaffte er den Klassenerhalt in der Oberliga. „Heute bin ich dankbar dafür. Das Jahr hat mir eine wichtige Erfahrung gebracht.“
Kroate setzt auf Nachwuchs
Als Trainer ist Balic, der bei Hogastra in Rotenburg – einem Hersteller für professionelle Großkaffee- und Großheißwasserautomaten – arbeitet, anspruchsvoll. „Ganz oder gar nicht“, lautet sein Motto. Trainingsleistung, Regelmäßigkeit und Ehrlichkeit sind ihm wichtig. „Ohne Schweiß kein Preis.“ Von seinen Spielern erwartet der zweifache Familienvater dieselbe Einstellung. Sein Ziel: jeden Einzelnen besser zu machen.
Dabei setzt er besonders auf den Nachwuchs. Einige erfahrene Spieler wie Niklas Fischer, Maurice Reyer und Lukas Günther kennt Balic noch aus seiner eigenen Zeit auf dem Feld. Bei den Jugendlichen will er genau hinschauen. „Das ist unsere Zukunft und es ist wichtig, dass wir sie haben“, sagt der 43-Jährige. Die bisherige Vorbereitung mit der Bezirksoberliga-Mannschaft stimmt ihn optimistisch. „Auch wenn wir mal drei Stunden trainieren, sind die Jungs mit Fokus dabei. Das ist für mich sehr wichtig.“
Ziel ist die Oberliga
Unterstützt wird Balic von einem langjährigen Weggefährten: Simon Golkowski. Mit Golkowski, der eine Physiopraxis in Alheim mitbetreibt, ergänzt er sich nach eigener Einschätzung hervorragend. „Er kümmert sich mehr um das Körperliche, ich um die Taktik. Das passt super.“
Sportlich hat Balic klare Vorstellungen. Die Bezirksoberliga hält er eigentlich für „zu schwach“. Sein langfristiges Ziel ist deshalb die Oberliga. Druck will er der jungen Mannschaft aber nicht machen. „Wir müssen uns Schritt für Schritt verbessern. Dann kommt das Selbstvertrauen von selbst.“ Auf dem Feld soll seine Handschrift dennoch deutlich zu erkennen sein: eine aggressive, kompakte Abwehr und viel Einsatz. „Ich war selbst ein Kämpfer und erwarte diesen Kampf auch von meiner Mannschaft.“
Balic will die Fans zurück in die Halle holen
Und noch etwas liegt dem Rückkehrer am Herzen: die Zuschauer. „Ich habe hier zehn Jahre gespielt und eine besondere Verbindung zu den Zuschauern.“ Früher kamen rund 400 Fans zu den Spielen. Dort möchte Balic wieder hin. „Dafür musst du guten Handball präsentieren.“
Privat ist Rotenburg längst zur Heimat geworden. Sohn Lukas (11) spielt als Linkshänder ebenfalls bei der TG Rotenburg, der zweijährige Toni kann künftig häufiger bei den Spielen seines Vaters dabei sein. Nur eines vermisst Balic, der in Split geboren ist: „Mein Meer und meinen Strand, die mediterrane Seite.“ Ansonsten aber gilt für ihn: „Endlich zuhause.“
02.09.2026 - Alicia Kreth, HNA